Editorial FUNKAMATEUR 7/2026
Zoll für Billigpakete aus China
Statistisch gesehen erhält jeder EU-Bürger – vom Säugling bis zum Greis – jeden Monat ein Paket aus China, das mit einem Wert von weniger als 150 € deklariert ist und für das bislang kein Zoll anfällt. Das sind etwa 14 Millionen Pakete pro Tag und hochgerechnet aufs Jahr die unvorstellbare Menge von rund 5 Milliarden. Absender sind zumeist die großen Online-Plattformen Temu, Shein oder Aliexpress.
Die EU-Staaten sehen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Einzelhändler in Gefahr und haben daher ein Ende der genannten Zollfreigrenze beschlossen. Ab 1. Juli 2026 wird ein pauschaler Zoll von 3 € auf Waren erhoben, die weniger als 150 € kosten und direkt aus Drittstaaten wie China an den Endverbraucher gehen. Fällig werden die 3 € dabei nicht pro Paket, sondern pro Warenkategorie. So würden also drei unterschiedlich kategorisierte Artikel im selben Paket insgesamt 9 € kosten. Hinzu soll spätestens ab November eine Bearbeitungsgebühr kommen, um die steigenden Kosten bei der Zollabwicklung auszugleichen.
Die Online-Händler können den Zoll entweder selbst entrichten oder die Abwicklung einem Dienstleister wie DHL überlassen, der dann beim Empfänger kassiert und eine zusätzliche Servicepauschale verlangt. Günstigere Zollsätze gelten hingegen, wenn die Ware nicht direkt aus China zum Endkunden kommt, sondern aus einem Lager in Europa. Wen wundert es da, dass Temu & Co. in den vergangenen Jahren bereits große Verteilzentren in Europa gebaut haben?
Die 3-€-Regelung gilt als Übergangslösung. Ab 2028 plant die EU die vollständige Abwicklung nach regulären, prozentualen Zollsätzen ab dem ersten Euro. Ob diese Zölle die europäischen Einzelhändler tatsächlich vor der Handelsmacht Chinas schützen werden, darf man durchaus bezweifeln. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass Kunden den neuen Zoll kaum im Produktpreis spüren werden und die chinesischen Hersteller aufgrund ihrer riesigen Überkapazitäten eher noch Preiszugeständnisse gewähren. Der Abstand zu europäischen Herstellern bliebe dann in vielen Fällen unverändert groß. Hinzu kommt, dass die Zollbehörden hierzulande derzeit schon so überlastet sind, dass sie wahrscheinlich gar keine Kapazitäten haben, um die Einhaltung der neuen Zollvorschriften zu kontrollieren.
Was könnte das alles für Funkamateure und Hobbyelektroniker bedeuten? Wer Kleinteile wie SMD-Kondensatoren, Ringkerne, Quarze oder Stecker für wenige Cent direkt in China bestellt, zahlt künftig sicherlich drauf. Bisher preisgünstige Leiterplattenbestellungen bei bekannten chinesischen Herstellern werden wahrscheinlich teurer, da die 3 € auf den ohnehin knappen Preis aufgeschlagen werden. Wie hoch die erwähnte Servicepauschale der Paketzusteller ausfällt, bleibt abzuwarten.
Es gibt aber auch positive Aspekte: Mit den neuen Zollregeln sollen verschärfte Kontrollen einhergehen. Der Markt wurde in den vergangenen Jahren mit riesigen Mengen an Billig-Elektronik überschwemmt, die keinerlei EMV-Richtlinien einhält. Wenn deren Import unattraktiver wird, sinkt hoffentlich langfristig auch der dadurch verursachte elektrische Störnebel. Europäische Händler und Distributoren, die alle Abgaben ordnungsgemäß bezahlen und Prüfvorschriften einhalten, wurden bisher meist durch die zollfreie Direktlieferung aus China preislich unterboten. Falls die pessimistische Prognose mancher Ökonomen doch nicht ganz zutrifft, könnte das Preisgefälle zwischen dem Kauf in Übersee und dem beim hiesigen Fachhändler also schrumpfen. Hinzu kommt, dass Garantieleistungen, Service und Reparatur viel einfacher beim einheimischen Händler möglich sind und dies allein schon einen höheren Preis rechtfertigt. Wer also auch in Zukunft seine Funktechnik und elektronischen Geräte überlegt und verantwortungsbewusst kaufen möchte, ist auf jeden Fall gut beraten, wenn er sich zuerst bei europäischen Herstellern und Händlern umsieht und sicht nicht für das erstbeste, bunt beworbene „Schnäppchen“ aus China entscheidet.
Peter Schmücking, DL7JSP


