Editorial FUNKAMATEUR 4/2026
Alles On The Air
Amateurfunk war schon immer mehr als nur Technik. Er bedeutet zudem Abenteuer, Experimentierfeld und Gemeinschaft. In den vergangenen Jahren haben sich zusätzlich zu IOTA und WWFF weitere Outdoor-Aktivitäten etabliert, die diese Aspekte miteinander verbinden. Diplomprogramme wie COTA, POTA, SOTA, BOTA und viele weitere motivieren weltweit tausende Funkamateure, ihr Shack zu verlassen und mit Antenne und Funkgerät hinaus in die Natur zu gehen.
Der Reiz dieser Programme liegt in einer einfachen Idee: Funkbetrieb von besonderen Orten aus. Ob Berggipfel, Nationalpark, historisches Schloss oder botanischer Garten – sie alle können als Portabelstandort dienen und Teil internationaler Aktivitäten mit klaren, meist einfachen Regeln sowie einer engagierten Gemeinschaft sein.
Bemerkenswert ist die Vielfalt der Aktivitäten. Während bei SOTA bereits der Aufstieg zum Gipfel eine sportliche Herausforderung darstellt, führt POTA die Funkamateure in Parks und Naturschutzgebiete. Doch funkt man inzwischen nicht mehr nur von Bergen, Burgen und Schlössern, von Inseln oder aus Parks, sondern auch von Bunkern, Seen, Lagunen, Windmühlen und neuerdings von Türmen (TOTA).
Manche Diplomprogramme, die scheinbar inflationär wie Pilze aus dem „OTA-Boden“ schießen, regen zum Schmunzeln an, denn kaum ein Buchstabe des Alphabets bleibt ausgenommen: von AOTA (Airfields On The Air) über VOTA (Volcanoes On The Air) bis ZOTA (Zodiac On The Air) scheint die Kreativität grenzenlos. Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten, aber sind sie deshalb überflüssig? Keineswegs, denn deren Gemeinsamkeit liegt darin, die Bänder zu beleben. Und unseren Jagdtrieb zu entfachen, also ein Ziel zu definieren, um unser sonst eher bewegungsarmes Hobby nach draußen an die frische Luft zu verlegen.
Da der QRP-Gedanke dabei häufig im Vordergrund steht, heißt es, sich Gedanken über die Ausrüstung zu machen. Senden mit geringer Leistung erfordert effiziente Antennen, möglichst leichte Transceiver und intelligente Stromversorgungskonzepte. Hinzu kommt eine gute Betriebstechnik unter manchmal schwierigen Bedingungen, gelegentlich ergänzt durch Kreativität und Improvisationstalent. Reist der Aktivierer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Standort, lassen sich sogar Punkte für den GoGreen-XOTA-Award sammeln.
Outdoor-Programme bedeuten aber mehr als technische Herausforderungen, denn sie bringen Funkamateure zusammen. Aktivierer und Jäger tauschen Erfahrungen aus, helfen einander bei der Planung und verfolgen gegenseitig ihre Aktivitäten. Etliche kennen sich bereits beim Namen und grüßen sich, wenn sie sich auf den Bändern begegnen. Obwohl Kurz-QSOs üblich sind, fallen auch persönliche Worte, sofern man nicht in Digimodes unterwegs ist. Das ist für Einsteiger eine gute Möglichkeit, Betriebserfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen, denn hier ist man geduldig und es geht wesentlich entspannter zu als bei Contesten.
Nicht zuletzt zeigen solche Funkaktivitäten auch nach außen, wie vielseitig unser Hobby ist, und erinnern daran, dass Amateurfunk nicht allein im Shack stattfindet. Wer sich mit Antenne und Funkgerät in der Natur aufhält, wird häufig von Passanten angesprochen – und schnell entsteht eine Unterhaltung.
Wenn Sie also das nächste Mal auf den Bändern einen xOTA-Ruf hören, verhelfen Sie bitte dem Anrufer zu einem zählbaren QSO. Oder besser noch: Machen Sie sich selbst auf ins Grüne, denn Park-to-Park-, Summit-to-Summit- oder Kreuzverbindungen verschiedener Diplomprogramme freuen jeden Aktivierer.
Heiko Benkenstein, DC2HB


