Editorial FUNKAMATEUR 9/2026
Vorsichtig klicken v2.0
Als ich vor 20 Jahren erstmals ein Editorial zu diesem Thema schrieb, wurden gerade die ersten Sicherheitslücken in Apples Betriebssystemen bekannt. Dessen bis dahin verschont gebliebene Nutzer können seitdem in dieser Hinsicht nicht mehr die Produkte aus der Softwareschmiede Microsoft belächeln.
Mittlerweile dürfte das Installieren von Sicherheits-Updates, so wie bei mir, bei den meisten Nutzern eines Rechners zur täglichen Routine gehören. Doch auch wenn man mit aktuellen Updates versorgt ist und von einem Virenschutzprogramm hinter einer Firewall geschützt erscheint, gibt es nach wie vor ein potenzielles Sicherheitsrisiko: Dieses sitzt oder steht vor dem PC, Tablet oder Smartphone, ist also der Nutzer des Geräts.
Selbst wenn das E-Mail-Programm auf dem neuesten Stand ist, kann die Sicherheit des Rechners nach einem unbedarften Klick auf den in einer Nachricht enthaltenen Link bereits ausgehebelt worden sein. Das funktioniert leider recht einfach: Man erhält eine E-Mail scheinbar von seiner Bank, die einen auffordert, Sicherheitseinstellungen zu wiederholen oder zu verifizieren. Solche gefälschten E-Mails sehen heute täuschend echt aus.
Doch die meisten dieser Nachrichten lassen sich relativ einfach aussortieren. Häufig übernimmt schon das Spam-Filter des E-Mail-Programms diese Aufgabe. Die darin implementierten Algorithmen sind mittlerweile so effektiv, dass sie fast alle böswilligen Absender und Inhalte erkennen.
Des Weiteren habe ich mein E-Mail-Programm so eingestellt, dass es externe Inhalte wie Grafiken oder Bilder nicht automatisch beim Ansehen der Nachricht lädt. Durch das automatische Nachladen erkennen Spammer, ob ein Account aktiv ist und sich weitere Angriffe lohnen. Bei dem von mir verwendeten Mozilla Thunderbird ist dies durch Deaktivieren der Option „Externe Inhalte in Nachrichten erlauben“ einstellbar. Nachteil: Ich bekomme nun nicht jedes verlinkte und automatisch ablaufende Video unmittelbar angespielt, sondern nur einen Link angezeigt. Doch sehe ich dessen Zieladresse und entscheide selbst, ob ich den Link anklicke. Wer schon einmal bei den Einstellungen ist, dem rate ich aus demselben Grund, sowohl die automatische Empfangsbestätigung im E-Mail-Programm als auch die automatische Antwort beim Provider auszuschalten.
Eine weitere Maßnahme, den eigenen Rechner besser zu schützen, ist das Abschalten der HTML-Funktion im E-Mail-Programm. Thunderbird nennt das Ergebnis „Reintext“ und fortan werden Inhalte nur als Text dargestellt. Dass ich dann nicht mehr alle Stile, also Farben, Schriftarten, Formatierungen usw., angezeigt bekomme, kann ich verschmerzen. Im Gegenzug bin ich relativ gut vor automatisch bereits beim Ansehen einer E-Mail ablaufenden Skripten geschützt.
Außerdem lässt sich eine weitere Hürde für betrügerische E-Mails aktivieren, wenn zusätzlich zum Namen des Absenders auch dessen E-Mail-Adresse angezeigt wird. Zwar ist dann die Adresszeile in der Voransicht länger, jedoch der Absender besser verifizierbar. Wenn der Name auf meine Bank verweist, die E-Mail-Adresse jedoch nicht dazu passt, lösche ich diese Nachricht sofort. Thunderbird-Nutzer sollten daher die Option „Vollständiger Name und E-Mail-Adresse“ aktivieren und Nutzer von macOS Mail die Einstellung „Intelligente Adresse verwenden“ deaktivieren.
Die Methoden von Betrügern, die mit krimineller Energie versuchen, an Zugangsdaten zu gelangen oder fremde Rechner für ihre Zwecke zu missbrauchen, werden – auch dank künstlicher Intelligenz – ständig weiter „verfeinert“. Doch mit etwas Umsicht und den Möglichkeiten der verwendeten Programme sollte sich zumindest ein großer Teil der Einfallstore versperren lassen.
Ingo Meyer, DK3RED


