Wie das Westfernsehen nach Dresden kam
2025-03-26
„ARD – Außer Raum Dresden“ oder schlicht „Das Tal der Ahnungslosen“, so wurde die Malaise selbstironisch bezeichnet, dass fast überall in der DDR Westprogramme empfangbar waren, doch nicht im am weitesten entfernten Dresden. Dass im Umkreis von Dresden extra einige Störsender – Füllsender im Kanal 7, auf der Frequenz des gewünschten ARD-Programms aus Westberlin – aufgestellt worden waren, erschwerte den Empfang zusätzlich.
Den Funkamateuren wurde das 2-m-Band wiederum mit einem Fernseh-Tonträger eines hierfür extra erfundenen "Sonderkanals" madig gemacht: Den konnte zwar kein Fernsehgerät ohne Umbau empfangen, aber dafür war kein Relaisbetrieb mehr möglich.
Eine große, technisch sehr aufwendige Gemeinschaftsantennenanlage löste das Problem - des Fernsehempfangs, nicht des 2-m-Amateurfunkbetriebs - schließlich, wenn auch instabil. Zusätzlich zapfte man den Fernmeldedsatelliten ECS an, was schon im Westen verboten war. Im Osten spielte das West-Recht dann keine Rolle, hier war es so oder so verboten.
Heute wird gemeinhin gesagt, die DDR-Staatsmacht hätte eingesehen, dass DDR-Bürger, die Westfernsehen sehen konnten, angesichts der so mit eigenen Augen erfahrbaren realkapitalistischen Zustände gar keine so große Sehnsucht mehr hatten, in dieses ganz offensichtlich von Verbrechern heimgesuchte Land auszuwandern. Doch ganz so einfach war die Sachlage nicht. Vielmehr wurde die ganze Anlage an so viele Dresdner Haushalte angeschlossen, dass Fakten geschaffen waren und ein gewaltsamer Abbau große Proteste ausgelöst hätte.
Ausführlicher wird diese Geschichte auf der heutigen Website des damaligen Vereins geschildert – inklusive eines für Vorträge erzeugten Powerpoint-PDFs.
DL2MCD, tnx Info Jörn Krieger


