Kanada: Rabiate Rundfunk-Abschaltungen auf MW
2026-07-10
Auf dem amerikanischen Kontinent sind die MW-Rundfunkfrequenzen durchaus noch belebt. Das LW-Band ist auf dem amerikanischen Kontinent dagegen nicht dem Rundfunk zugeteilt. Doch auch auf MW werden immer mehr Sender wegen der Stromkosten und der zurückgehenden Hörerzahlen abgeschaltet.
Aktuell geschieht dies ziemlich heftig in Kanada. Rogers [Wikipedia], das größte Medienunternehmen Kanadas, hat zwei große Nachrichten- und Sportprogramme in Calgary eingestellt und dabei nicht nur die AM-Sender auf 660 und 960 kHz abrupt abgeschaltet, sondern auch 230 Mitarbeitern in ganz Kanada ohne Vorwarnung gekündigt.
Der Nachrichten- und Verkehrsreporter Alexander Carrigan, der 11:30 Uhr seinen Job beginnen sollte, erfuhr von der Abschaltung aus dem nicht mehr laufenden Programm, als er noch auf dem Weg ins Studio war. Weitere Senderabschaltungen betreffen Vancouver, Halifax und Kitchener.
Die Sendungen beider Sender in Calgary wurden am Dienstag mitten im laufenden Programm unterbrochen. Später hörten die Hörer zwischen längeren unmodulierten Passagen eine aufgezeichnete Durchsage, in der die Schließung angekündigt wurde. Am Nachmittag hatten beide Sender den Sendebetrieb bereits komplett eingestellt.
Die AM-Sender kosteten bei einer Sendeleistung von 50 kW für den Strom alleine etwa 1 000 US-$ pro Tag, doch waren sie sehr beliebt mit einem Anteil von 18,6 % der Hörstunden bei Männern im Alter von 18 bis 34 Jahren. DAB+ gibt es in Kanada nicht, doch auch Internet war offensichtlich keine Alternative. Die Rentabilität von Radio ist in Kanada in den letzten neun Jahren um 90 % gesunken.
In Calgary ist das AM-Band nun weitgehend verstummt, denn auch hier wurden keine Musikprogramme mehr auf AM betrieben, man hatte 2001 auf ein Sport-Wortprogramm gewechselt. Roger Media erklärt [Video der CBC], Podcasts seien schuld am sinkenden Ertrag der Stationen, obwohl Sportsender doch gerade von Live-Übertragungen leben.
DL2MCD, tnx Info Terry Hughes


