Funkturm gekündigt: Wird Halle zum „Tal der Ahnungslosen“?
2026-10-03
Dresden galt einst als Tal der Ahnungslosen, weil dort infolge der Lage in einem Talkessel nur das lokale DDR-Fernsehen zu empfangen war. In Halle könnte jedoch bald gar kein terrestrisches Fernsehen mehr zu empfangen sein: Der erst 2005 errichtete, 160,5 m hohe und damit zweithöchste für funktechnische Zwecke errichtete freistehende Stahlfachwerkturm in Deutschland nach dem Funkturm Leipzig soll abgerissen werden. Der Grund: Der Mietvertrag für den Standort Dieselstraße zwischen der DFMG und der EVH GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Halle, lief zunächst 20 Jahre, wurde aber im Oktober 2025 unerwartet nicht verlängert.
Neben der terrestrischen Übertragung öffentlich-rechtlicher und kommerzieller Fernsehprogramme wird der Funkturm auch zur Information der Bevölkerung im Katastrophenfall genutzt. Zudem läuft am Standort auch das 5-G-Broadcast‑Pilotprojekt, wir berichteten. Erst in diesem Jahr hat die Medienanstalt Sachsen‑Anhalt (MSA) die zugehörige Zuweisung für die Übertragungskapazität im UHF‑Kanal 40 bis zum 31. Mai 2028 verlängert.
Der Amateurfunk ist vom drohenden Abbau des Funkturms zwar nicht direkt betroffen, auf DFMG-Funktürmen ist er ohnehin immer seltener Gast. Der Großteil der regionalen Relais wie DB0HAL auf 2 m und 70 cm sind nördlich von Halle auf dem Fernmeldeturm Petersberg oder im Umfeld der dortigen Stiftskirche. Einzelne digitale Stationen, Gateways oder Klubstationen wie DL0MLU sind wiederum bei der Universität oder an privaten/klubinternen Standorten in Halle-Saale untergebracht.
Allerdings ist der Amateurfunk auch von Standortkündigungen der EVH betroffen, DM0KWD musste deshalb abgebaut werden, der zwar nicht auf dem Funkturm, aber am danebenstehenden Schornstein auf dem Gelände an der Dieselstraße montiert war.
DL2MCD


