Natriumnieder- vs. Natriumhochdruckdampflampen
2026-01-23
Quecksilber-Nieder- und -Hochdruckdampflampen haben in
Kombination mit Leuchtstoffen, die UV-Licht in sichtbares Licht wandeln, lange
die Straßenbeleuchtung dominiert. Leider mit einem für Insekten ungünstigen
Spektrum. Doch es gab auch ein System ohne diese Probleme: Die
Natriumdampf-Nieder- und -Hochdrucklampen. Diese funktionierten technisch
ziemlich ähnlich zu den Quecksilbersystemen, nur eben mit Natrium- statt
Quecksilberdampf und so mit einer Spektrallinie nicht im UV-, sondern im
orangen sichtbaren Licht. Da Natrium verwendet wird, sind diese Lampen weniger giftig und ihr Wirkungsgrad ist durch die nicht notwendige Wandlung über Leuchtstoffe weit
höher und erreicht ohne weiteres den von LEDs. Auch Insekten werden von ihnen
nicht weiter gestört und im Nebel sieht man mit dem tieforangen Licht sogar
besser als mit Weißlicht.
Wir berichteten bereits über diese Thematik, verbunden mit einem Video über Natriumniederdampfdrucklampen.
Nun hat der Youtuber Der Technikexperte
sich in einem zweiten Video auch
der kompakteren, doch etwas schwerer zu handhabenden Natrumhochdruckdampflampen
angenommen und führt diese bis zu einer Leistung von 1000 W auch vor.
Während die Niederdrucklampen nur 0,01 Bar Dampfdruck
aufbauen ähnlich Leuchtstofflampen und immerhin maximal 400 °C heiß werden, sind
bei den Hochdrucktypen 10 Bar und 2000 °C angesagt. Dies ließ sich erst zusammen
mit der hohen chemischen Agressivität von Natrium sicher handhaben, als Robert
L. Coble bei General Electric 1955 die Lucalox-Keramik
erfand (Translucent Aluminium Oxide –
durchsichtiges Aluminiumoxid).
Die Hochdrucklampen sind von 35 W bis 1000 W lieferbar und
bieten damit eine höhere Lichtausbeute bei geringeren Abmessungen, was die Konstruktion
entsprechender Straßenleuchten und deren Reflektoren vereinfacht. Zudem
verwenden sie Xenon als Zündgas mit einer weiß-bläulichen Spektrallinie statt
Neon mit rot-orange wie bei den Niedrigdruck-Varianten, was zusammen mit dem
höheren Dampfdruck und einer Quecksilber-Beimischung zwar immer noch ein tief
warm-oranges Licht erzeugt, doch mit verbreiterter Natrium-D-Linie sowie weiteren
Spektrallinien und damit zumindest eingeschränktem Farbensehen, während die Niederdrucklampen
auf 589 nm monochromatisch strahlen. Dafür nimmt man einen geringeren
Wirkungsgrad in Kauf.
In der DDR war das Natriumdampflicht sehr verbreitet,
Magdeburg stellte als erste Stadt komplett auf Natriumhochdruckdampflampen um
und der Prenzlauer Berg lag nachts komplett im (eher dunklen) Orange-Schimmer. West-
und Ostberlin waren auf Satellitenbildern tatsächlich an der Farbtönung unterscheidbar.
Natriumdampf-Niederdrucklampen waren nur beispielsweise in
Bremen sehr verbreitet, trotz höherer Effizienz von bis zu 206 L/W, dafür aber
auch mit doppelter Anlaufzeit bis zu 8 min, aber eben völlig entfallender Farbsicht.
Die Hochdruck-Varianten erreichen nur 130…150 Lumen/W und 30 000 h bis 50 000 h
Lebensdauer. Mit einem relativ simplen Trick – dem Parallelschalten zweier
Brenner, bei dem der zweite übernimmt, wenn der erste ausgebrannt ist, war der
aufwendige Austausch der Leuchtmittels, für den oft Straßensperrungen
erforderlich sind, nur noch alle 12 Jahre notwendig.
Mit noch höherem Druck sind "Deluxe"-Hochdruck-Typen sogar
für Verkaufsräume geeignet mit guter Farbwiedergabe und einem
Farbwiedergabe-Index Ra von 80 bis 89. Die Farbtemperatur der Niederdruck-Lampen liegt
bei 1800 K, die der Standard-Hochdruck-Lampen 2100 K, die der Deluxe-Versionen
bei 2500 K.
Inzwischen gibt es Natriumhochdrucklampen auch quecksilberfrei
von Philips mit mehr Xenon und einer Natrium-Aluminiumlegierung anstelle des bisherigen Natriumamalgams.
DL2MCD


