WhatsApp und die amerikanische iPhone-Blase
2026-04-11
In Deutschland und Europa allgemein war Apple-Hardware über Jahrzehnte so viel teuer gegenüber Windows- oder Android-Geräten als Computer oder Smartphones, dass die Apple-User in der Minderheit sind und von Online-Diensten als besonders reich eingestuft und mit ungünstigeren Angeboten beglückt werden.
In den USA sind Apple-Geräte zwar auch teurer, aber der Unterschied zu anderer Hardware war weit geringer und der Android-Anteil deutlich geringer. Auch die Mobilfunktarife waren anders gelagert: Sie waren deutlich teurer als in Deutschland — und das will etwas heißen —, es gab kaum günstige Prepaid-Tarife, dafür war alles enthalten, auch die Flatrate für Telefonie oder SMS. Der bei uns gebührenbedingt getriggerte Wechsel von SMS (Short Messsage Service) auf mobile Messenger wie WhatsApp, Signal oder Telegram fand deshalb dort so gut wie nicht statt und die zusätzlich gebotenen Features der Messenger-Dienste weckten allein kein Interesse, weil sich kaum jemand die Mühe machte, sie zu installieren.
Erst das mit dem iPhone als Bestandteil von iOS mitgelieferte iMessage löste hier einen Wandel zur Zweiklassengesellschaft aus: Zwischen iPhone-Nutzern übertrug es wie ein Messenger auch Videos, Bilder und Sprachnachrichten, zu Android-Nutzern wurden dagegen weiterhin die alten SMS verschickt und gegebenfalls die ebenfalls veralteten und in Deutschland längst abgeschalteten teuren MMS. Damit gab es nun jene, die mit einem Apple-Gerät modern miteinander kommunizieren konnten und solche, die mit einem anderen Handy im Textstandard blieben.
Inzwischen ist dies eigentlich überwunden, denn auch Android bietet nun eine Erweiterung namens RCS, das ähnlich zu iMessage automatisch auf erweiterte Funktionen umschaltet, wenn die Gegenseite ebenfalls mit RCS kommunizieren kann, was seit iOS 18 auch Apples iMessage unterstützt. Allerdings werden trotzdem auf iPhones die Apple-Chatpartner mit iMessage-Protokoll anders dargestellt (blaue Textblasen) als die Android-Chatpartner (grüne Textblasen) mit RCS oder SMS. Und Messenger, die nicht diskriminieren, haben sich in den USA einfach nicht durchgesetzt.
Diese für uns überraschende Entwicklung wird in diesem Video aufgezeigt. Und man sieht, dass die durchaus berechtigten Datenschutzbedenken bei der Nutzung von Messengern gar nicht das größte Problem sind und bei allen Systemen existieren, denn alle Systeme laufen auf irgendwelchen einzelnen Unternehmen gehörenden Plattformen, auch iMessage bei Apple, RCS bei Google und selbst SMS waren in den ersten Jahren nur innerhalb eines Mobilfunknetzes möglich und sind heute sogar besonders leicht abzufangen und abzuhören. Nur unterscheiden die dedizierten Messenger prinzipiell nicht zwischen Freund und Feind, pardon iOS und Android, und ersparen die völlig überflüssige Frage über das verwendete Mobilfunkprodukt. Im Funk gab es solche Grenzziehungen nur in der Anfangszeit, als Marconi-Funker nur mit anderen Marconi-Funkern sprechen durften, und im Amateurfunk haben sich herstellerspezifische, proprietäre Normen ebenfalls nie lange halten können.
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