Editorial FUNKAMATEUR 8/2026
Weltmeisterschaft – ohne Ball
Zusätzlich zum "normalen" Contestbetrieb an vielen Wochenenden messen sich alle vier Jahre die besten der besten Contester aus aller Welt bei der WRTC, der World Radiosport Team Championship, um die Weltmeister an der Taste und dem Mikrofon zu ermitteln. Am 11. und 12. Juli dieses Jahres fand diese Weltmeisterschaft in England statt, genauer gesagt in den Grafschaften Suffolk, Norfolk und Cambridgeshire, wo 50 Zweierteams von allen Kontinenten in einem 24-Stunden-Contest gegeneinander antraten.
Der Funkbetrieb mit den Teilnehmern war ein Genuss. Diese Teams arbeiteten durchweg wie Uhrwerke. Es gab kaum Nachfragen, das Rufzeichen des Anrufers „saß“ meist beim ersten Anruf. Sie passten sich schnell an die Tempi der Anrufer in Telegrafie an und hämmerten nicht nur stur mit 40 oder 42 WpM. In SSB hörte man keine genuschelten abstrusen Abkürzungen – das war echter Radio-Leistungssport.
Der Veranstalter bot dank zahlreicher Helfer (Volunteers) aus der ganzen Welt, die die Stationen aufgebaut hatten und die für jeden Standort 24 Stunden hilfreich zur Verfügung standen, einen perfekten Ablauf des Wettkampfs – so war mein Eindruck. Beispielhaft waren das Online-Scoring sowie die Darstellung der QSO-Zahl der fleißigen „Punktelieferanten“. In Echtzeit konnte man den aktuellen Stand des Wettkampfs über die WRTC-Website verfolgen, wobei besonders am Anfang die Führung stets hin und her wechselte. Im Gegensatz zu mir, konnten sich die Teilnehmer nicht der Hilfe eines DX-Clusters oder des Reverse Beacon Networks bedienen. Umso faszinierender war es, aus der Ferne zu beobachten, wie schnell beim Auftauchen eines seltenen Landes auf einem Band auch einer der „Mike Bravos“ auftauchte. Die britische Fernmeldebehörde hatte für den Wettbewerb eigens Sonderrufzeichen mit dem Präfix MB erteilt, gefolgt von einer Ziffer und einem weiteren Buchstaben.
Professionell war auch die WRTC-Berichterstattung auf dem eigenen Youtube-Kanal. Schon die Vorberichte und die Live-Reportage von der Eröffnungszeremonie mit der Zulosung der Standorte für jedes Team waren keine Übertragungen mit einer fest installierten Kamera und einem schlecht durchmodulierten Ton. Vielmehr boten sich dem Betrachter exzellente bewegte Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, die den Zuschauer wirklich „mitnahmen“. Sehr beeindruckt war ich, als die Veranstalter nur etwa zwei Stunden nach Abschluss des Wettkampfs per Youtube einen Stream anboten, bei dem man den Top-Scorern über die Schulter schauen konnte. Das zwölfminütige, perfekt geschnittene, teilweise mit Ton, aber durchweg mit passender Musik unterlegte Video zeigte Szenen von verschiedenen Wettkampforten. Wirklich sehenswert!
Nach Abschluss des Logchecks wurden beim Abschlussbankett die Sieger und Platzierten geehrt. Aus deutscher Sicht ist erfreulich, dass mit Manfred Wolf, DJ5MW, und Ulrich Ann, DM5EE, als Vizeweltmeister sowie Sven Igor Lovric, DJ4MX, dem Copilot von Emir-Braco Memic, E77DX, als Gewinner der Bronzemedaille drei Spitzencontester aus Deutschland auf dem Treppchen standen. Unser Glückwunsch auch an die alten und neuen Weltmeister Yuri Onipko, VE3DZ, und Yaroslav Oliinyk, UW7LL, die sich mit knappem Vorsprung wieder den Titel sicherten.
Und wie lief es bei mir? Von möglichen 500 Funkkontakten in SSB und Telegrafie mit WRTC-Stationen auf den fünf klassischen Kurzwellenbändern sind mir 336 geglückt. Ganz ehrlich, es hat einen Heidenspaß gemacht, mitzufunken und mitzufiebern. Egal, wo die nächste WRTC stattfindet, ich werde den wirklichen Könnern unserer Contestszene wieder nach Kräften Punkte geben. Die WRTC 2026 war meiner Meinung nach erneut ein Bespiel dafür, was den völkerverbindenden Gedanken unseres Hobbys ausmacht.
Dipl.-Ing. Peter John, DL7YS


